Bibliotheksproblem – erste Reaktion des Rektorats

Posted on November 10, 2010

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Am Montag kam es zu einem Gespräch von StudierendenvertreterInnen mit Rektor Sträter und Stabschefin Rehschuh. In Bezug auf die Kürzung der Bibliotheksöffnungszeiten bzw. in Reaktion auf die vorgetragene Kritik kam es von Seiten des Rektorats zu folgenden Aussagen:

1.                  Auch das Rektorat erkenne, dass die Öffnungszeiten an zahlreichen Zweigbibliotheken nicht ausreichend und die Situation für Studierende und MitarbeiterInnen problematisch seien, man werde sich der Sache annehmen.

2.                  Die Kürzungen seien Resultat einer größeren Finanzierungslücke (Sachzwänge..).

3.                  Die von Kürzungen betroffenen Bibliotheken seien auf der Grundlage von (niedrigen) Nutzerzahlen ausgewählt worden.

4.                  Die Finanzierung (mindestens) der bisherigen, ungekürzten Öffnungszeiten sei selbstverständlich wünschenwert, das Rektorat versuche in diesem Sinne Finanzmittel bereitzustellen.

5.                  Bereits jetzt dringend benötigte Gelder sollen aufgrund der Bestimmungen in Vereinbarungen zur Finanzierung der Hochschule erst später und gestaffelt zugewiesen werden (Hochschulpakt etc.); zudem seien die Erhebungsmethoden, nach denen den Hochschulen Gelder zugeteilt werden, nicht angemessen.

6.                  Das Geisteswissenschaftliche Zentrum könne viele Probleme lösen.

Die VertreterInnen von uniprotest10 sind erfreut, dass das Rektorat die Missstände anerkannt und Bemühungen zu ihrer Beilegung angekündigt hat. Und im Gegensatz zum vorigen Rektor ging Rektor Sträter ruhig und sachlich auf Einwände und Fragen ein, erklärte und argumentierte und machte vor allem deutlich, dass er die von den StudierendenvertreterInnen geschilderten Probleme ebenfalls erkenne. Es muss also nicht mehr um die Anerkenntnis des Problems, sondern um seine Lösung gehen.

Und doch sind Verweise auf ein seit fast zehn Jahren diskutiertes, nur auf dem Papier existierendes Geisteswissenschaftliches Zentrum ebenso wenig hilfreich, wie die Begründung der erfolgten Massenimmatrikulation mit Klauseln in den Finanzierungsverträgen.

Das Problem existiert jetzt, und den Betroffenen Studierenden und MitarbeiterInnen an überlasteten und überfüllten Instituten oder vor verschlossenen Bibliothekstüren wird jetzt ihr Studium oder ihre Arbeit an dieser Hochschule maßlos erschwert. Die Zielvereinbarungen und Verträge wurden nicht von MitarbeiterInnen und Studierenden unterschrieben, sondern von Rektoren. Und deshalb ist es nicht Aufgabe von Studierenden und MitarbeiterInnen, über Finanzierungsstrategien und Mittelverschiebungen nachzudenken – dies ist Aufgabe des Rektorats, dass für die in der Vergangenheit getroffenen Abmachungen ebenso verantwortlich ist, wie für die aktuellen. Unsere Aufgabe ist lediglich, die Missstände aufzuzeigen, die Gründe für diese – wo sie überdeutlich sind – zu benennen(*), und im Sinne der von der Universität angeworbenen, immatrikulierten und eingestellten Studierenden und MitarbeiterInnen ein Ende der grotesken Kürzungsmaßnahmen zu fordern. Sonst muss zur Vermeidung von Lüge und Zynismus der Werbespruch der nächsten Imagekampagne lauten „Sei klug, studier‘ nicht in Halle!“

Bibliothekskampagne/uniprotest10

Halle, 10.11.2010

(*) So soll die Zweigbibliothek Sozialwissenschaften jetzt sogar bis 20.00 öffnen, eine lange überfällige Maßnahme angesichts der Überfüllung der verbundenen Institute, doch finanziert aus Eigenmitteln des Instituts für Soziologie (Überlastmittel). Das ist ein Schritt in die völlig falsche Richtung, die Universität entledigt sich mit dem Argument der „größeren Autonomie“ der Verantwortung für zentrale Bereiche wie Bibliotheken, und ein überlastetes Institut verwendet auch an anderer Stelle dringend benötigte Eigenmittel. Die Universitätsleitung und Prorektor Weiser agieren damit ähnlich wie Bundes- und Landespolitik, die ebenfalls Verantwortung für die kaputtgesparten Hochschulen mit dem Argument der angeblich für die Unis positiven Budgetautonomie von sich weisen.

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